
✔ fachlich geprüft von Lea Siemann (Dipl. Pädagogin)

Klar, jeder ist mal mies drauf oder hat eine schlechte Phase. Wenn’s im Job nicht läuft, der November sechs Monate lang zu sein scheint oder Streit mit Freunden oder Familie das Herz beschwert. Doch was, wenn der geliebte Mensch an der Seite depressiv wird? Dann wirft diese Dunkelheit der Seele nicht selten einen Schatten auf die Beziehung und kann sich auch auf den nicht depressiven Partner auswirken.
Wenn durch die Depression des Partners Traurigkeit, Pessimismus, Antriebslosigkeit und psychosomatische Beschwerden den Alltag bestimmen, kann das eine große Herausforderung für die Beziehung darstellen. Nicht selten versuchen Angehörige dann zu helfen, was in großer Erschöpfung, Frustration und im schlimmsten Fall sogar mit einer Trennung enden kann. Oft fühlen Partner sich emotional stark belastet, schuldig am Unglück des Lebensgefährten und alleingelassen mit der großen Last.
Dieser Artikel soll über Depressionen aufklären, Hilfestellung für betroffene Partner bieten und konkrete Alltagstipps geben. Wir verraten dir, wie du auf dich aufpassen und gleichzeitig mit deinem Partner Wege aus der Krise finden kannst.
Auf den ersten Blick können traurige Menschen und depressive Menschen ähnlich auf ihr Umfeld wirken. Doch Traurigkeit ist eine gesunde Reaktion auf etwas, das den oder die Betroffene betrübt. Traurigkeit ist vorübergehend und lässt gleichzeitig noch andere Gefühle zu. Sie geht irgendwann vorüber, wenn die Person gelernt hat, damit umzugehen. Auch kann die Traurigkeit in Wellen kommen, beim Verlust eines Menschen oder Tieres beispielsweise, doch kann die traurige Person weiter am Leben teilhaben. Traurigkeit bedarf allgemein gesprochen keiner medizinischen Behandlung.
Bei einer Depression handelt es sich um eine ernsthafte medizinische Erkrankung. Sie kann viele negative Auswirkungen auf die betroffene Person haben, die Monate und Jahre anhalten können. Auch kann eine Depression ohne ersichtlichen Grund auftreten, wobei Traurigkeit meist einen konkreten Auslöser hat. Depressionen sollten immer medizinisch begleitet werden, denn je früher sie behandelt werden, desto besser sind ihre Heilungsprognosen und desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich verschlimmern und vielleicht sogar lebensbedrohlich werden.
Depressionen können sich einschleichen, sich langsam entwickeln und treten selten plötzlich auf. Aber ganz gleich, weshalb der Partner depressiv wird, für den nicht depressiven Partner ist der Umgang mit der Veränderung eine große Herausforderung. Aber woran merke ich, ob mein Partner depressiv ist oder einfach nur schlecht drauf? Hier einige Merkmale, die darauf hindeuten können, dass dein Partner depressiv ist:
Wenn das Gefühl der Traurigkeit allumfassend ist. Auch ein Gefühl der Leere, der Hoffnungslosigkeit und des generalisierten Pessimismus können Warnsignale sein. Ständiges Meckern und Pessimismus sind ebenfalls Zeichen für eine Depression.
Bei depressiven Partnern kommt es vor, dass geliebte Hobbys, Freunde und Interessen plötzlich keine Rolle mehr spielen. Der Partner zieht sich zurück, wirkt lustlos und findet keine Freude mehr an einst erhellenden Tätigkeiten.
Womit fast alle an Depressionen erkrankten Menschen zu kämpfen haben, ist eine lähmende Antriebslosigkeit. Selbst kleinste Aufgaben und To-dos scheinen nicht zu bewältigen zu sein. Wichtige Aufgaben werden nicht erledigt und bleiben liegen.
Sehr häufig verändern von Depression Betroffene ihr Schlaf- und Essverhalten. Oft liegen sie nachts wach und grübeln, haben Albträume und können nicht wieder einschlafen. Das verstärkt die Müdigkeit und Antriebslosigkeit häufig. Schlaflosigkeit kann sich auf den Appetit auswirken und dazu führen, dass Partner mehr oder auch weniger essen. Eine Gewichtszu oder -abnahme kann die Depression wiederum verstärken.
Im Alltag, aber auch im Job hat der depressive Partner häufig Probleme damit, sich zu konzentrieren. Das Denken verlangsamt sich, es wird viel vergessen und die Aufmerksamkeitsspanne wird kürzer. Das kann auch zu beruflichen Problemen und so zusätzlich zu einem Burnout führen.
Auch psychosomatische Beschwerden sind ein Indikator von Depressionen. Das können sein: Schwindel, Kopfschmerzen, Ohrensausen, Verdauungsprobleme und diffuse Schmerzen am ganzen Körper. Auch das andauernde Beschäftigen mit körperlichen Beschwerden kann ein Symptom von Depressionen sein.
Depressionen können dazu führen, dass dein Partner ein Gefühl der Wertlosigkeit erlebt. Das kann sich darin äußern, dass er permanent in den schlechtesten Tönen über sich schimpft und sich selbst niedermacht. Oft wird versucht, auch Beweise für die eigene Wertlosigkeit zu finden.
Themen und Situationen, die früher keine Probleme dargestellt haben, stellen plötzlich eine Herausforderung dar. Dein Partner reagiert vielleicht gereizt auf Terminerinnerungen, Treffen mit Freunden und Familie oder hat übermäßige Angst vor alltäglichen Dingen, wie beispielsweise dem Einkaufen oder Autofahren.
Wichtig: Wenn einige oder alle dieser Verhaltensweisen und Merkmale auf deinen Partner zutreffen, kann er oder sie von einer Depression betroffen sein und benötigt Hilfe. Ob dein Partner oder deine Partnerin an einer Depression erkrankt ist, kann aber nur eine Fachkraft mit ausreichend diagnostischen Kenntnissen beurteilen. Es ist unbedingt davon abzuraten, Selbstdiagnosen zu stellen und den Weg zum Arzt oder Therapeuten nicht zu machen. Denn auch andere Ursachen können hinter diesen Symptomen liegen.
Am Anfang einer Depression haben die meisten nicht depressiven Partner noch viel Verständnis, Kraft und den großen Wunsch, ihrem betroffenen Partner zu helfen. Doch nach einiger Zeit, wenn sich keine Verbesserung an dem Zustand des Lebensgefährten einstellt, können Gefühle der Hilflosigkeit und Ohnmacht aufkommen.
Was auch passieren kann, ist, dass viele Betroffene das depressive Verhalten des Partners persönlich nehmen und auf sich beziehen. Sie können anfangen, Schuldgefühle zu entwickeln, was einen Faktor darstellen kann, selbst eine Depression oder eine andere psychische Erkrankung zu entwickeln.
Der Umgang mit einem depressiven Partner oder einer depressiven Partnerin kann eine herausfordernde Situation sein, die viel Geduld, Verständnis und Empathie erfordert. So kannst du deinen depressiven Partner unterstützen:
Du kannst die Depression deines Partners nicht heilen. Selbst wenn dein Partner die Gründe und Ursachen in eurer Partnerschaft sieht, ist es nicht deine Aufgabe, die Depression verschwinden zu lassen, denn das ist nicht möglich. Allerdings kannst du deinen Partner intensiv unterstützen. Dies tust du vor allem, indem du auf dich achtest:
Leider sind bei an einer Depression erkrankten Menschen immer wiederkehrende Gedanken über den Tod, das Sterben und auch Suizid möglich. Wenn dein Partner solche Gedanken laut äußert oder sich auffällig verhält (z.B. Schreiben eines Abschiedsbriefes, Googeln von Medikamenten, die zum Tod führen können etc.), ist Soforthilfe gefragt. Bei einem Anzeichen von Suizidabsichten handelt es sich um einen dringenden Notfall. In solch einer Situation ist es wichtig, folgende Schritte zu beachten:
Das Leben mit einem depressiven Partner kann sehr belastend sein. Glücklicherweise gibt es sehr viele Hilfsangebote und Strategien, die dabei unterstützen können, eine Depression zu lindern – du bist nicht allein! Grundsätzlich ist es wichtig, Grenzen zu setzen und stets achtsam auf die eigene Gesundheit zu schauen. Suche und hole Dir Hilfe, denn du brauchst nicht allein durch diese Phase gehen.
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