
✔ fachlich geprüft von Imke Wormeck-van de Biezen

Kennst du das? Dein Kind bekommt im Supermarkt einen Wutanfall, und statt ruhig und liebevoll darauf einzugehen – so wie es dein Bauchgefühl dir eigentlich rät – überkommt dich Scham. Hektisch versuchst du, dein Kind zur Ruhe zu bringen, während dir die Blicke der anderen unangenehm sind.
Solche Momente, in denen die Unsicherheit über dich triumphiert, kennen viele Eltern – sie können ein Ausdruck eines schwachen Selbstwertgefühls sein.
Die gute Nachricht: Selbstwert ist nicht unveränderlich, sondern lässt sich Schritt für Schritt stärken!
Dieser Artikel soll dir erklären, was Selbstwert eigentlich bedeutet, warum er für dein Wohlbefinden so wichtig ist und welche Strategien dir helfen, innerlich stabiler und selbstsicherer zu werden.
Selbstwert ist das, was wir über uns selbst denken und wie wir uns als Person bewerten. Es beschreibt, wie zufrieden bzw. unzufrieden wir mit uns sind, ob wir uns so akzeptieren, wie wir sind, und wie wichtig wir uns selbst fühlen.
Kurz gesagt:Selbstwert ist das Fundament, auf dem unser Selbstbild ruht. Der Psychologe Morris Rosenberg beschreibt Selbstwert als die „positive oder negative Einstellung einer Person zu sich selbst“ [1].
Studien zeigen, dass ein gesunder Selbstwert enorm wichtig ist [2]. Denn:
Ein schwacher Selbstwert hingegen kann das Risiko für psychische Probleme wie Ängste oder Depressionen erhöhen [2].
Selbstwert ist also nicht nur eine Frage des Gefühls, sondern eine Grundlage für ein selbstbestimmtes und stabiles Leben. Wer einen höheren Selbstwert hat, ist meist auch glücklicher [3].
Habe ich einen niedrigen Selbstwert? Mach den Test!
Wie steht es um dein Selbstwertgefühl? Schon in den 1960er-Jahren entwickelte der Psychologe Morris Rosenberg einen Selbstwert-Test, der bis heute viel zitiert und verwendet wird.
Mit nur zehn Aussagen kannst du eine Einschätzung bekommen, wie positiv oder negativ dein Selbstwertgefühl ausgeprägt ist. Bist du bereit, mehr über dich selbst zu erfahren? Den Test (in deutscher Ausführung) findest du hier.
Ein gesunder Selbstwert zeigt sich darin, dass du gelassen bleibst, selbst wenn etwas nicht perfekt läuft. Ein Beispiel: Stell dir vor, es ist die Geburtstagsparty deines Kindes, und der Kuchen, den du mühsam nach einem Rezept aus dem Internet gebacken hast, fällt beim Anschneiden auseinander.
Statt nun zu verzweifeln und zu denken: „Was denken die anderen Eltern jetzt bloß von mir? Habe ich den Geburtstag meines Kindes ruiniert? Wird mein Kind jetzt Freunde verlieren, weil ich als Mutter/Vater so ein Komplettausfall bin“, lachst du darüber und denkst dir: „Meinem Kind ist das völlig egal, Hauptsache Zucker, oder?“ und erlaubst allen Kindern beispielsweise „wie die Räuber“ mit den Händen zu essen.
Ein starker Selbstwert hilft dir, solche Situationen entspannt zu sehen, dich nicht zu sehr (ein bisschen gestresst davon zu sein ist normal) von der Meinung anderer stressen zu lassen und den Moment zu genießen und spielerisch zu bleiben. Mit einem starken Selbstwert weißt du, wer du bist und was du kannst und kannst über den Dingen stehen, selbst wenn mal blöde Kommentare von außen kommen.
Unser Selbstwertgefühl entwickelt sich durch die Beziehungen, die wir im Laufe unseres Lebens führen und vor allem in der Kindheit. Positive und gesunde Beziehungen, die geprägt waren von Wertschätzung, Interessen, Respekt und Empathie – sowohl in der Kindheit als auch im Erwachsenenalter – spielen also eine entscheidende Rolle dabei, wie wir uns selbst wahrnehmen und schätzen [5].
Es ist also wichtig, Menschen um sich zu haben, die einem gut tun. Wenn wir von anderen geschätzt und unterstützt werden, hilft uns das, uns selbst positiver zu sehen und uns emotional stärker zu fühlen.
Schon als Kind wurde der Grundstein für dein heutiges Selbstwertgefühl gelegt – und darauf hattest du damals keinen Einfluss [6]. Es waren die Menschen um dich herum, die entscheidend dazu beigetragen haben, wie du dich selbst wahrgenommen hast [4]. Wurdest du von deinen Eltern oder anderen Bezugspersonen geschätzt und unterstützt, konntest du lernen: „Ich bin wichtig, ich bin gut so, wie ich bin.“
Aber vielleicht war das bei dir anders. Wenn du oft kritisiert, abgewertet oder überfordert wurdest, konnte schnell das Gefühl entstehen: „Ich bin nicht genug, ich mache alles falsch.“ Solche Erfahrungen prägen dein Selbstwertgefühl nachhaltig – ganz unabhängig davon, was du als Kind hättest tun können.
Der "innere Kritiker" ist jene innere Stimme, die uns mit Selbstzweifeln und negativen Gedanken konfrontiert [7]. Oft entsteht er durch kritische Äußerungen von Eltern oder Bezugspersonen in der Kindheit [7].
Wenn ein Kind beispielsweise häufig hört: "Du kannst gar nichts richtig machen“, „Schau deine Geschwister/die Kinder der anderen an! Du bist so eine Enttäuschung für uns!“, „Was soll bloß aus dir werden?“, kann es diese Botschaft verinnerlichen und später selbst glauben.
Solche verinnerlichten Überzeugungen beeinflussen das Selbstbild und können dann zu starker Selbstkritik im Erwachsenenalter führen.
Auch im fortgeschrittenen Erwachsenenalter kannst du dein Selbstwertgefühl positiv beeinflussen, und zwar unter anderem durch Selbstfürsorge. Mit kleinen, alltagstauglichen Schritten und den richtigen Ansätzen ist es möglich, ein stärkeres, positiveres Selbstbild zu entwickeln. Die folgenden 7 Tipps zeigen dir, wie du damit beginnen kannst.
Was sind Affirmationen?
Affirmationen sind positiv formulierte Sätze, die dazu dienen, unser Denken und Verhalten in eine gewünschte Richtung zu lenken [9]. Durch regelmäßige Wiederholung solcher Aussagen können negative Denkmuster durch positive Überzeugungen ersetzt werden. Ein einfaches Beispiel für eine Affirmation ist: "Ich bin wertvoll und liebenswert." Der Begriff "Affirmation" leitet sich vom lateinischen "affirmatio" ab, was so viel wie "Bekräftigung" oder "Bestätigung" bedeutet.
Kennst du das? Seit die Kinder da sind, kneift die Hose, nie dagewesene Dellen wollen einfach nicht verschwinden und online siehst du nur perfekte Mütter – schlank, strahlend, makellos. Sich auf Yogamatten rekelnd und Green-Godess-Salate zubereitend? Du fragst dich: Wie schaffen die das bloß?
Die Wahrheit: Social Media zeigt nur Inszenierungen, nicht die Realität. Schon eine Woche Pause von all dem kann dir helfen, dich wieder auf dich selbst zu konzentrieren – weg von Vergleichen, hin zu dir [11]. Leg dein Handy weg – deinem Selbstwertgefühl wird das sicher guttun.
Dankbarkeit ist viel mehr als nur ein höfliches "Danke". Sie lenkt deinen Fokus auf das Positive und stärkt dein Selbstwertgefühl. Statt ständig über Probleme nachzudenken, kannst du bewusst wahrnehmen, was in deinem Leben schon gut ist – von kleinen Momenten bis hin zu wertvollen Beziehungen.
Ein einfaches Beispiel: Du kommst nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause, und dein Partner hat schon das Abendessen für euch vorbereitet. Indem du dafür Dankbarkeit empfindest und das auch zeigst, stärkst du nicht nur eure Beziehung, sondern auch das Gefühl, dass du unterstützt wirst und wichtig bist.
Selbst in schwierigen Zeiten kann Dankbarkeit eine Art Lupe sein, mit der du kleine Lichtblicke erkennst – wie ein Kollege, der dir mit einer Aufgabe hilft, oder ein Lächeln von deinem Kind nach einem stressigen Tag.
Mit Dankbarkeit bringst du mehr Positives in dein Leben und stärkst sowohl deinen Selbstwert als auch deine Verbindungen zu anderen.
Sich auf diese Dinge zu besinnen, lenkt den Blick auf das, was wirklich zählt, und stärkt das Gefühl von Dankbarkeit im Alltag
Dein Selbstwertgefühl lässt sich mit kleinen Schritten stärken: Sei freundlicher zu dir selbst, konzentriere dich auf das Positive und hole dir Unterstützung, wenn du sie brauchst.
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Quellen:
[1] Rosenberg, M. (1965). Society and the adolescent selfimage. Princeton, NJ: Princeton University Press.
[2] Sowislo J, Orth U: Does low self-esteem predict depression and anxiety? Psychological Bulletin 2013; 139(1): 213–40.
[3] Baumeister, R. F., Campbell, J. D., Krueger, J. I., & Vohs, K. D. (2003). Does High Self-Esteem Cause Better Performance, Interpersonal Success, Happiness, or Healthier Lifestyles? Psychological Science in the Public Interest, 4(1), 1-44.
[4] v. Collani & Herzberg. (2003). Eine revidierte Fassung der deutschsprachigen Skala zum Selbstwertgefühl von Rosenberg (Kurzbeitrag). Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie, 24, 3-7.
[5] https://www.sciencedaily.com/releases/2019/09/190926092416.htm?utm_source=chatgpt.com
[6] Rosenberg, M. (1965). Society and the adolescent self-image. Princeton University Press.
[8] https://positivepsychology.com/self-esteem-research/
[9] https://www.herder.de/leben/bewusst-und-gesund-leben/affirmation/?utm_source=chatgpt.com
[10] Stinson, D. B., Logel, C., Zanna, M. P., Holmes, J. G., Cameron, J. J., Wood, J. V., & Spencer, S. J. (2008). Die Kosten für ein geringeres Selbstwertgefühl: Testen eines Selbst- und Sozial-Bond-Modells der Gesundheit. Zeitschrift für Persönlichkeit und Sozialpsychologie, 94, 412–428.
[11] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1740144524000378
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